#ende

jedes ende ist ein neuer anfang

so sagt man.

neu anfangen, das bedeutet sehr viel veränderung. und veränderung bedeutet manchmal mut, weil man vertrautes und sicherheit hinter sich lässt. neue wege zu gehen, heisst immer auch die heimat zu verlassen.

manchmal muss man sich verändern. denn das leben läuft nicht immer nach plan, und dann gilt es zu handeln. 

lachen ist der schlüssel

was mir bleiben wird, ist dieses bild. das war der schlüssel meiner omi und es ist für mich ein sinnbild, denn es wird mich erinnern, dass das lachen der schlüssel zu allem ist. ihre weisheit, sie wirkt nach. an so vielen stellen. und das begleitet mich. schenkt mir mut, kraft und den unabdingbaren willen der schwäche zu widerstehen, sich in die trauer fallen zu lassen. ihre weisheit, sie flüstert mir zu, dass es richtig ist und war, was in den letzten 3 4 jahren geschehen ist. ihre weisheit gibt mir die kraft auf das leben meiner großeltern zurück zu blicken.

es riecht alles noch so herrlich nach zuhause

ich muss entsorgen. das leben meiner großeltern und dann sind da auch noch die spuren meiner urgroßeltern und meiner ururgroßeltern. fotos, dokumente, getrocknete blumen. ich halte sie wie schätze in meinen händen und doch weiss ich, dass es am ende nur eine kiste sein darf, die ich am ende für mich bewahre. 

ent-sorgen

das wort entsorgen. ich denke viel über seine bedeutung nach. denn es bedeutet für mich nicht nur wegwerfen, sondern auch sorgen hinter sich zu lassen.

doch die letzte interpretation des wortes, mein herz kann sie nicht wirklich annehmen. denn bei allen dingen, die ich in die hand nehme, kommen soviele erinnerungen in mir hoch, die verbunden sind mit den gegenständen, die ich in den händen halte. und der gedanke, wie gerne ich noch einmal ihre hand spüren würde.

deine hand, ein letztes mal auf meinem knie. und die hand des neue Lebens, dass nach dir gekommen ist.

die dinge, die ich nun wegwerfe, sie sind geschaffen mit den händen ihrer arbeit. denn das leben meiner großeltern war immer sehr bescheiden. 

ich sortiere die bettwäsche, darin findet sich noch die aussteuer meiner omi. es riecht nach meiner kindheit und ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn ich samstag abend in das frisch überzogene bett geschlüpft bin und ich das flimmern des fernsehers an meiner wand hüpfen sehen konnte. nachts bin ich oft weinend aufgewacht, verängstigt vom schatten des feuers, dass im wohnzimmer brannte. meine omi kam dann und hat mich getröstet und über meinen kopf gestreichelt. solange, bis ich wieder im land der träume versunken bin und erst wieder aufwachte, wenn sie singend in mein zimmer kam. 

summ summ summ!
bienchen summ’ herum!
ei! wir thun dir nichts zu leide,
flieg’ nun aus in wald und heide!
summ summ summ!
bienchen summ’ herum!

august heinrich hoffmann von fallersleben hat dieses lied geschrieben und nach dem singen hat sie erzählt, während sie mir frühstück machte und meine langen blonden locken kämmte. sie sagte mir, dass ich so besonders sei, dass es sogar ein lied über mich gäbe. und jeden morgen, den ich bei ihr aufwachen durfte, hat sie es für mich gesungen.

immer waren da deine hände.

an keinem wie an einer heimat hängen – hermann hesse

es sind viele stufen, die mr.right und ich an diesem letzten tag in der wohnung meiner großeltern laufen. irgendwann sitze ich im lieblingssessel meiner omi. meine schwester ist längst gefahren. ich sitze da und weiss nicht, wohin mit mir.

dann laufen die tränen. und ich frage mich, ist es die trauer, der schmerz oder die erleichterung. ich atme den geruch meiner kindheit tief ein, spüre die geborgenheit, die mir diese räume stets geschenkt haben. höre das knarren der alten holzdielen, wenn jemand die räume durchschreitet. dann stehe ich auf, geh zur vitrine und öffne sie und beginne gläser einzupacken. eigentlich wollte ich nichts mehr mitnehmen, aber ich beginne einzupacken.

es klingelt und das unternehmen, dass entsorgen wird, trifft ein. die tränen kullern über meine wangen als ich mit zitternder hand die schlüssel übergebe. ob ich noch zeit brauche, werde ich gefragt, ich schüttle den kopf, entschuldige mich für meine tränen und verneine. es ist an der zeit zu gehen, sage ich. ich nehme meine handtasche, ein auflaufform mit den letzten gläsern und drehe mich nicht mehr um. ich bitte, dass die tür verschlossen wird. ich mach es nicht selbst, obwohl ich es mir vorgenommen hatte.

es muss das herz bei jedem lebensrufe

bereit zum abschied sein und neubeginne,

um sich in tapferkeit und ohne trauern

in andre, neue bindungen zu begeben.

und jedem anfang wohnt ein zauber inne, 

der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. – hermann hesse

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3 Gedanken zu “#ende

  1. Monika Greif

    Du hast “ Stufen“ von Hesse
    einen Rahmen mit deiner eigenen Geschichte gegeben.
    Danke dafür liebe Bine.
    Mehr Worte finde ich im Moment nicht.
    Herzlichst Moni

  2. Liebe Bine,
    die Omi und alle Erinnerungen an sie und Deine Kindheit wohnen in Dir. Du BIST sie! Loslassen ist unsagbar schwer. Wird aber vielleicht ein bisschen leichter, wenn man weiß, dass unsere Lieben immer bei uns sind und das ein oder andere Erinnerungsstück zu Anfassen im Außen bleibt. Meine Mama sagte einst zu mir: „Sei nicht traurig – wir sehen uns doch wieder.“ Eines Tages… und das ist doch eine wunderbare Vorstellung, oder?
    Ich drück Dich!
    Anja

  3. Karen

    Liebe Bine,

    Deine Tränen kann ich so gut nachempfinden!

    Aber wie Anja schon schrieb: Du hast die wunderbaren Gefühle, Gerüche und Erlebnisse in Deinem Herzen. Die kann die keiner weg nehmen. Ein Glas oder Servietten gehen irgendwann kaputt und müssen entsorgt werden – Deine Erinnerungen bleiben!

    Ich umarme Dich ganz fest und gebe Dir Kraft für die nächsten Wochen.

    Liebe Grüße

    Karen

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