#routine

morgen werde ich wieder eine kleine flucht antreten. und tatsächlich trägt mich der gedanke daran über dieses wochenende. bisher bin ich jedes wochenende geflüchtet. seit dem tod meiner omi fehlt mir die routine. es fehlen mir auch unsere rituale. gerade war ich in meinen gedanken gehetzt. der „ich muss jetzt“ impuls hat mich überrannt. denn eigentlich stehe ich um diese zeit längst in der küche und koche. an jedem sonntag, an dem wir zu hause waren, haben wir meine omi abgeholt. wir haben gemeinsam gegessen. und am schönsten war es für sie, wenn ihre ganze familie am tisch sass.

im dampfgarer enthäute ich gerade die letzten tomaten aus dem garten. als diese tomaten am strauch wuchsen, sassen wir oft im garten. gemeinsam. meine omi hat mich immer gefragt, was ich mit all den tomaten machen will. am letzten sonntag, an dem sie hier war, sassen wir draussen und die sonne hat uns gewärmt. wir haben die sträucher abgepflückt und die tomaten in die küche gelegt. meine omi hat gestaunt, dass es ein ganzer tisch voller grüner tomaten war. wir haben pasta mit einer tomatensoße, gekocht aus den roten frisch geernteten tomaten, gegessen. und sie hat überlegt, ob die grünen tomaten alle rot werden würden. einige haben es nicht geschafft. aber viele.

heute gibt es wieder eine tomatensoße, gekocht aus den letzten tomaten dieses sommers. heute ist es egal, wann das essen fertig ist. heute können wir essen, wann immer wir wollen. damit fehlt uns jedoch die routine. wir sind es nicht gewohnt ohne meine omi zu sein. sie fehlt uns sehr.

gestern war der 4. geburtstag meiner nichte. wir sind ohne meine omi gefahren. vorher waren wir an ihrem grab. zum ersten mal seit der beerdigung. und sie war während der fahrt dorthin bei mir. mit all ihren kommentaren an bestimmten stellen der fahrt. es ist schön für mich dieses grab zu haben. ein schöner ort. zum ersten mal in meinem leben empfinde ich das so. nie vorher war ein solches gefühl in mir. erst jetzt habe ich verstanden, was dieser ort für sie war. erst jetzt habe ich verstanden, warum sie so oft davon gesprochen hat.

ihre worte, sie begleiten mich. ich höre sie meinen namen sagen. auch wenn ihre stimme in mir ist, so fehlt es mir so sehr, sie zu hören. wie gerne würde ich einmal noch ihre stimme hören.

gestern am tisch bei meiner kleinen nichte, da war kein platz mehr, so viele menschen sassen am tisch. und ihr platz, der war einfach so vergeben. ich hätte mir so gerne gewünscht, dass man den platz leer gelassen hätte. auch wenn sie nicht mehr da ist. einfach ein gedeck an ihrem platz.

weihnachten naht. es wird anders sein. wir können einfach solange feiern, wie wir wollen. an unserem tisch aber, da wird ein gedeck für sie stehen und ihr platz wird leer bleiben.

mein dampfgarer klingelt. es wird zeit die tomaten zu enthäuten. und die soße zu kochen. lange muss sie kochen, würde meine omi jetzt sagen. ich werde sie genauso kochen, wie sie es mir beigebracht hat.

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mit viel wurzelgemüse und gutem fleisch von ihrem lieblingsmetzger aus aschaffenburg. das habe ich gestern mitgebracht. und es wird mir die routine fehlen. es ist die letzte soße mit den tomaten aus meinem garten. es ist, als wäre der sommer noch einmal zurück. ich kann den sommer noch einmal riechen und spüren. und meine omi sitzt bei mir in meiner küche und erklärt mir das geheimnis einer guten totmatensoße.

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