#31

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ich war 17. es war der abend meines lebens. es war die fete des jahres. und ich war mit dem kerl, nennen wir ihn r., dort und endlich hatte er verstanden, dass ich die frau war, die er wollte. selbstverständlich wussten wir das beide, hatten es aber noch nicht final besprochen, denn das hatte monate gedauert bis er es endlich kapiert hatte.ich hatte unendlich viele buchstaben und worte in briefen an meine freundin investiert. wir haben analysiert, jedes Wort, jedes verhalten, jede geste. alles auseinander genommen, überdacht und interpretiert. (ich habe übrigens noch alle briefe…)

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wie an jeden abend am wochenende, war ich im ausweg, also so gegen frühestens 23.30 uhr. vorher ging man da nicht hin, was den vorteil hatte, dass man nachmittags noch mal schlafen konnte. jedenfalls hatte r. den abend mit mir verbracht und wir sind dann in den ausweg gefahren. plötzlich fiel mir ein, dass ich zu einer fete, der fete des jahres, eingeladen war. ich kreischte r. im ausweg, an der tanzfläche stehend, ins ohr, dass ich da hin müsse. in der erwartung, dass ich mir noch eine fahrgelegenheit suchen müsse, schaute ich mich um. er kreischte plötzlich zurück, dass wir fahren könnten. ich war sprachlos und wusste in dem moment, das war sowas wie ein eingeständnis, dass er endlich kapiert hatte, dass er mit mir zusammen sein wollte. aber ausgesprochen war nix!

eigentlich war ich auf der fete mit meiner ältesten freundin, nennen wir sie m., verabredet. (ich glaube übrigens nicht an beste freundinnen, aber das ist ein anderes thema.) und weil meine eltern nicht da waren, wollten wir eventuell bei mir schlafen war es abgemacht, dass wir das wochenende bei mir verbringen. im morgengrauen nach hause kommen, schlafen bis zum nachmittag und dann auf repeat.

aber wie es eben so ist, ich verbrachte den abend mit r., genoss seine aufmerksamkeit und war plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob ich das alles wollte. das mit ihm und mir. und darüber hatte ich meine verabredung mit m. vergessen. aber es fiel mir ja noch ein.

mr. right damals noch arschloch

also bin ich auf dieser fete, r. im schlepptau, genervte blicke von m., weil wir wollten das ja eigentlich ganz anders machen, aufgetaucht. ich komme an und durchleuchte die menschenmenge. und dann sehe ich mr.right, damals noch arschloch genannt.

ich gebe zu, ich hatte schon ein, zwei, drei bier oder so getrunken, hatte oberwasser und dachte mir, das sag ich dem blöden arsch jetzt mal.

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mr.right stand da mit seinem besten freund und erzählte der um sie stehenden schar von irgendeiner abiprüfung, die er noch absolvieren musste nach dem wochenende. sie klebten alle an seinen lippen. höflich, wie ich war bin, wartete ich, bis er ausgesprochen hatte. fixierte seine augen, um seiner aufmerksamkeit nicht zu entgehen. er bemerkte mich und schaute mich lächelnd an und gleichzeitig fragend an. denn irgendwie kannte er mich ja nicht wirklich.

was ich dir immer schon mal sagen wollte

sagte ich und sein fragender blick wurde noch fragender und erstaunter.

„du bist ein arschloch!“ s t i l l e, erstaunter blick, fassungslosigkeit.

„nein du bist ein riesen arschloch!“ w e i t aufgerissene augen, noch mehr fassungslosigkeit und sein blick, der veränderte sich. und man konnte ihn förmlich denken hören, was will die von mir, ich kenne sie doch gar nicht.

bevor ich mich in rage reden konnte, ich hatte gerade luft geholt, denn mit s t i l l e als reaktion hatte ich einfach nicht gerechnet. er schmetterte mir ein „entschuldigung, darf ich dich bitten mir das zu erklären?“ entgegen und der ball war wieder in meinem feld. für einen kleinen moment war ich jedoch sprachlos. mit einem „das kann ich dir erklären und wie ich dir das erklären kann“ begann die tollste unterhaltung mit einem mann ever. deshalb war r. sofort völlig aus meiner erinnerung verschwunden, er war noch nicht mal mehr ein erinnerungssplitter und auch m. existierte nicht mehr. wir verloren uns in worten, blicken und lachen. er holte uns was zu trinken, stand mit 2 gläsern, also vollen händen vor mir und bat mich etwas aus der innentasche seiner jacke zu holen, um meine adresse aufzuschreiben. ich kam ihm sehr nah, mein herz begann zu klopfen, konnte ihn riechen und seinen atmen auf meiner haut spüren. und das war der moment, in dem meine Gedanken ganz klar waren, die zeit zu stehen schien und ich dachte, „den wirst du heiraten“…

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das war genau vor 31 jahren. heute wird er fast 600 km fahren, damit wir den abend gemeinsam verbringen können. dieser tag ist uns tatsächlich der wichtigste tag im jahr. wir feiern uns, diesen moment als ich in die innentasche griff, unser gemeinsames leben, und unsere liebe.

während ich das schreibe, klopft mein herz, weil ich den moment wieder zurück hole, ich ihn riechen kann, seinen atem in meinem spüre und meine intuition. ich höre tatsächlich sehr viel auf meine intuition, und ich kann mich immer auf sie verlassen.

wie habt ihr das geschafft?

diese frage steht oft im raum. ich kann es nicht wirklich beantworten, denn ich bin ja mittendrin im leben mit mr.right. und wir hatten auch schlechte tage, sehr schlechte, schmerzhafte tage. aber irgendwie haben wir immer aneinander festgehalten und haben hart gearbeitet, um nicht vom alltag und der entfernung aufgefressen zu werden. es gab den punkt, wo wir sagen durften „ich habe mehr als mein halbes leben mit dir verbracht“. und das hat uns mit stolz erfüllt.  es gab phasen, wo wir uns wieder erobern mussten durften. aufgeben war eine echte option, aber wir haben die option weggeschockt, sind statt dessen auf die malediven geflogen und haben uns wieder verliebt. in uns. und weil es so schön war, haben wir es uns zum ritual gemacht uns zu verführen, zu überraschen und liebesbotschaften zu hinterlassen. wir schreiben uns liebesbotschaften auf postkarten und jeder kann sie lesen, bis sie im postkasten landet. wir lieben es uns heimlich liebesbotschaften zu schreiben, wenn wir zusammen sind und sie wegzuschicken. manchmal komme ich nach langer zeit in mein lieblingsleipzig, gehe zum postkasten und ziehe eine karte raus, mit einer liebeserklärung von mr.right. es gibt tage, da beginne ich sofort zu weinen vor glück und dann gibt es tage da beginne ich zu lachen, weil ich es nicht fassen kann, wie er es geschafft hat, es an mir vorbei zu organisieren. offen gestanden könnte ein ring oder anderer materieller gegenstand als geschenk niemals diese freude erzeugen. mr.right trägt mich auf händen. er macht mich reich und wertvoll, mit den kleinen gesten und überraschungen, die er nicht mit geld kaufen kann. manchmal, wenn ich in einen raum komme, gar nicht weiss, wo er ist, dann kann ich seinen blick spüren. das ist ein unglaubliches gefühl. aber sowas kommt nicht von allein, frei nach dem motto und es hat zoom gemacht. das ist nur der anfang, alles andere ist arbeit und ein geschenk gleichzeitig. und der wille, nicht aufgeben zu wollen.

mindestens eine freundin, die hier mitliest, fragt sich jetzt, aber muss man das hier schreiben? das ist doch viel zu intim.

man muss nicht, aber man darf. ich darf, und ich will.

so wie ich nächstes jahr wieder ein date mit mr.right haben will. und ja, ich will mein glück in die welt hinaus schreien, meinen stolz zeigen und euch diese einzige message im zeitalter von tinder, egal wie und wo ihr mr.right kennenlernt. für eine gute beziehung muss man immer was tun, das kommt nicht von selbst. manchmal sind es gefühlte kompromisse, in wirklichkeit ist es aber respekt und toleranz im miteinander, die die liebe wachsen lässt und am leben erhält.

in diesem sinne, lebt eure liebe, seid verrückt, geniesst alles und brecht aus dem alltag aus, wann immer ihr mögt. und erobert den mann eures lebens!

 

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3 Gedanken zu “#31

  1. Andrea sagt:

    Schöne Geschichte. Ich finde es toll, dass es so was noch gibt. Mein Mann uns ich sind auch seit 1987 zusammen. Wir waren auch 17 als wir zusammen kamen. Manchmal wundere ich mich auch, dass wir immer noch und schon so lange zusammen sind. Aber aufgeben war auch noch nie eine Option bei uns, auch wenn es schon viele schlechte Tage gab.
    Ich wünsche euch noch ganz viele solcher Tage wie heute 💕

    1. meandmisterright sagt:

      liebe andrea, vielen dank für deinen besuch und das teilen deiner gedanken und deiner geschichte. die schlechten tage gehören definitiv dazu. leider. aber auch zum glück, denn es sind genau die schlechten tage, die einen wachsen und sich miteinander entwickeln lassen. schön, dass ihr es auch hinbekommt. man darf sich aber nie auf den lorbeeren ausruhen, denn eines gilt immer, unabhängig von der dauer der beziehung, man ist niemals sicher…

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