#geben

als ich die äugen öffne, muss ich kurz nachdenken, wo ich bin. durch einen kleinen schlitz in der gardine fällt licht in das hotelzimmer. benommen gehe ich ins badezimmer, beim blick in den spiegel fällt es mir wieder ein. ich bin in toronto, obwohl ich eigentlich in nairobi sein sollte. es ist donnerstag. ich putze mir die zähne und streife sich die kleidung des vorabends über. ich brauche luft, raus aus der klimaanlage.

der lärm der strasse schlägt mir entgegen. ich biege rechts auf die jonge street. dicht an den hauswänden liegen menschen, die die nacht auf der strasse verbracht haben. ich sehe ein junges mädchen, deren geruch mirr den atmen raubt. es ist der geruch der strasse und dem leben, dass dieses mädchen lebt. ich gehe schneller, sehe weg und biege links in die elm street. ich flüchte, vor diesem mädchen, das nur mit einer kurzen hose und einem tanktop bekleidet ist. ich laufe immer schneller. dann sehe ich eine gruppe junger männer, vielleicht 20 oder 21, vor einem verbindungshaus. sie sind auf der suche nach weed. sie sehe meinee söhne vor mir und beginne zu rennen. ich kann fühlen, was die eltern dieser jungen durchmachen, die verzweiflung, die wut und auch die enttäuschung.

es ist kalt. ich schließe meine jacke. es beginnt zu regnen. ich spüre die kalten tropfen in meinem gesicht. zurück, denkt ich, zurück. ich will nach hause.

diese stadt hat sich sehr verändert, denke ich, während ich versuche nicht hinzusehen. schnell noch Wasser kaufen und dann zurück. morgen, morgen werde ich wieder zu hause sein. in meinem leben, in meinem Bett schlafen, zumindest für eine nacht. ich werde das gefühl zu hause zu sein, inhalieren.

ich greife nach einer flasche wasser und gehe zur kasse. da steht das mädchen wieder, in ihrer kurzen hose und ihrem tanktop. verzweifelt reisst das mädchen einen milchkarton auf und trinkt, nebenbei stopft sie sich einen muffig rein. die kassiererin zählt das geld. kleingeld, viel kleingeld. das mädchen isst immer schneller und trinkt, um den trockenen muffig runter zu spülen. es fehlen 1,74$.

sie soll aufhören zu essen, wird ihr gesagt, aber sie isst noch schneller. ich werde an die kasse daneben gebeten. wieder raubt mir der geruch des Mädchens den atem. ich lege der kassiererin, die auf das mädchen einredet, 2$ hin. das mädchen schaut mich an. sie hört auf zu kauen. zwei Frauen stehen sich gegenüber. es ist still. das mädchen blickt mich mit ihren leeren augen an. ich muss weinen.

der kassierer, der mich bedient, bedankt sich bei mir. ich schaue ihn an, mit einem leeren blick. ich nicke, lasse das wechselgeld liegen und gehe, während mir die tränen über das gesicht laufen.

ich gehe zurück ins hotel und bin froh, dass ich endlich nach hause kann.

 

 

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