#klischees

Als ich im Büro mitteilte, dass ich künftig meine Arbeitszeit reduzieren werde, kam mir mehr als einmal das „Du musst ja nicht arbeiten, bist ja gut verheiratet!“ Verständnis entgegen. 

Ich mochte das nicht so gerne hören. Ich fühlte und fühle mich mit dieser Aussage auf mein Leben mit mr. right reduziert. Zu hart habe ich vor 9 Jahren darum gekämpft nach 11 Jahren Kinderpause zurück ins Berufsleben zu kehren.

Um ehrlich zu sein, mag ich es noch immer nicht hören, ich kann es aber inzwischen gut ertragen. Wenn man mich so sehen will, dann ist es für mich ok. Ich habe weder einen Erziehungs- noch einen Überzeugungsauftrag.

Jedoch fühle ich mich nicht mehr reduziert. Ich fühle mich gut an der Seite von mr. right zu leben. Ich fühle mich grossartig, wenn ich Zeit mit ihm verbringen darf. Es ist ein wunderbar, kostbares Geschenk. Und das haben wir mehr als 8 Jahre viel zu oft nicht getan. Weil ich mich auf meinen beruflichen Status und meine Eigenständigkeit reduziert habe.

Das wurde mir bewusst in den letzten Tagen im Büro. Es fiel mir schwer zu gehen und meine Berufstätigkeit zu reduzieren. Da war nichts mit Freude oder Erleichterung. Die Empathie meiner Kollegen war umwerfend  nicht vorhanden. Und irgendwann hat es mir gereicht. Also so richtig gereicht.

Als mir wieder „Du bist ja gut verheiratet!“ entgegen geschmettert wurde, da habe ich gesagt: „Stimmt! Ich habe mr. right an meiner Seite und werde jetzt genauso leben, wie Du es Dir schon immer vorgestellt hast. Ich gehe teure Schuhe und Taschen kaufen, verbringe viel Zeit in Oberkassel und schlürfe Champus oder ich fliege ab und zu nach Leipzig, um den Leipziger Prinz zum Lunch zu treffen!“ 

Da war es raus. Mit einem Lächeln habe ich mich verabschiedet und hinterließ eine mit offenem Mund dastehende neidische Kollegin.

Und um das Klischee richtig zu erfüllen, sah sie mich ein paar Wochen später in meinen neuen Porsche, den mr. right mir zum Geburtstag geschenkt hat, an der Ampel an ihr vorbei ziehen. Und das hatte ich niemanden erzählt. Niemanden!

Das war Zufall, aber manchmal passieren die Dinge nicht umsonst. Und ich gestehe, es hat mir Spaß gemacht ihr zu winken.

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6 Monate später habe ich mich noch immer nicht daran gewöhnt nur 9-10 Tage im Monat maximal zu arbeiten. Obwohl ich froh bin nicht mehr nur aus dem Koffer zu leben und manchmal sogar 5 Nächte im gleichen Bett, davon habe ich 3!, zu verbringen. Ich vermisse das Arbeiten. Ich vermisse meine Kolleginnen in Bangkok und ich vermisse die Herausforderungen. Manchmal vermisse ich sogar die langen Nachtflüge nach einem Tag im Büro und den sich anschließenden Morgen im Büro, wo ich manchmal nicht mehr wußte, wer wo ich eigentlich bin.

Doch inzwischen gelingt es mir auch meine freie Zeit zu genießen, die Klischees zu leben.

Heute zum Beispiel. Ich habe mich schick angezogen und bin mit meinen neuen Tods die Kö entlang stolziert. Gerne hat man die Tür aufgehalten, wenn ich in einen Laden rein bin. Gerne hat man mich bedient. Und ja, ich habe mich bedienen lassen, ganz genauso, wie es sich die neidische nette Kollegin ausgemalt hat, wenn sie hinter meinem Rücken über mich, meine Taschen und mein Leben gesprochen hat.

Als ich heute den Moment inhaliert habe, da war mir plötzlich klar, dass ich reich bin, weil ich Zeit habe und Zeit mit dem Menschen verbringen kann, der die Welt für mich ist.

Ich war froh, dass ich letzten Monat zwei Stellenangebote ausgeschlagen habe. Sie hätten mir vieles gebracht, hätten sich wunderbar in meinem CV gemacht, egal, wofür ich mich entschieden hätte. Aber die Zufriedenheit, die ich heute erleben durfte, die hätten sie mir nicht gebracht. Heute fühlte es sich an zu Hause zu sein. Und mein zu Hause ist, wo ich neben mr. right einschlafen darf und neben ihm aufwachen darf.

Oberkassel ist keine Heimat für uns eine weitere Lebensstation. Es ist nicht mein #lieblingsleipzig und das wird es auch nicht werden. Viel wichtiger ist, dass ich einmal mehr in meinem Leben angekommen bin und weiter ankomme. Ich lasse mich ein, endlich. Und ich habe gerade kein Bedürfnis zu überlegen, wo ich den nächsten Karriereschritt tun könnte. Es ist gut. Einfach gut. So wie es ist.

Auf dem Weg zurück bin ich am Muggel vorbei gelaufen und ich gestehe, um ein Haar hätte ich mich hingesetzt und ein Glas getrunken. Einfach so, weil es alle hier tun und es ein Lebensgefühl ist, das nur nach Oberkassel passt. Aber das wäre ein bisschen zuviel Klischee für einen Tag gewesen…

 

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